Geschichte

Die Entwicklung der Gemeinde seit 1459

Hier veröffentlichen wir in Zusammenarbeit mit den Heimatfreunden „Zeitdokumente” und Wissenswertes zur Geschichte Ellefelds.

Ellefelder Läden zu DDR-Zeiten (Teil 2)

Weit über die Ortsgrenzen hinaus war das Bekleidungsgeschäft Keilau in der Hauptstraße 25 bekannt. Die Firma wurde im Jahre 1880 von Franz Keilau mit einem Garn- und Kurzwarenhandel gegründet. Nach Übergabe an Sohn Max eröffnete dieser das erste Konfektionsgeschäft im Ort, das von Willy Keilau, ab 1961 von Rudolf Keilau und nach dessen Tod von Anita Keilau und Tochter Ute Dick weitergeführt wurde. Im Laden der Firma Keilau wurde ein breites Sortiment an Damen- und Herren-Oberbekleidung angeboten. Durch ihre guten Beziehungen zu Produktionsbetrieben konnte man dort Mitte der 1960er Jahre die modischen „Nato-Planen“(Dederon-Regenmäntel) für 200 Mark, DederonStepp-Anoraks, Dederon-Kutten usw. erwerben, die es in anderen Geschäften nicht gab. Ein Renner waren auch die begehrten Cordhosen und die „Keilau-Jeans“, die Schneider aus dem Vogtland anfertigten. Ein weiteres Standbein war in den 1950er Jahren die Anfertigung und der Verkauf von Berufsbekleidung für die Kumpels der SDAG Wismut. Heute sind die Geschäftsräume an die Allianz-Agentur Moßner vermietet.

Ein weiteres Konfektionsgeschäft für Damen-, Herren- und Kinderbekleidung sowie Stoffe führte Elsa Schrader in der Turnstraße 7. Im Untergeschoss betrieb Max Schrader seit 1932 eine Maßschneiderei. Später übernahm der HO-Kreisbetrieb das Geschäft. Else Trommer, die Wolfen Else, führte in der Hauptstraße 27 einen Laden für Textilwaren, der später von der Konsumgenossenschaft übernommen wurde. Ein ebenfalls traditionsreiches Textilgeschäft befand sich in der Straße des Friedens 17. Hilde Singer gründete das Geschäft 1935, Gerda
Schmidt führte es ab 1968 und Gudrun Schmidt führte es ab 1985 weiter. Neben dem Handel mit Wäsche aller Art und Trikotagen betrieben sie auch eine Annahmestelle für Reinigung und Strumpfreparaturen. Da eine Strumpfhose 14 Mark kostete, wurden die Laufmaschen für ein geringes Entgelt repariert.

Im Nachbarhaus Straße des Friedens 15 befand sich seit 1951 der HO-Textilwaren-Laden, der über viele Jahre von Marthel Pfeifer geführt wurde. In den Jahren vor der Wende war es schwierig, den Bedarf an Baby- und Kinderkleidung, Baumwollwindeln, Damenschlüpfern, Wäsche, gestickten Kolorit-Decken usw. zu decken.

Ein Ellefelder Urgestein war Marianne Oelschlägel, die Lindners Marianne. Im Jahr 1947 übernahm sie den Laden für „Buch-, Papier- und Gelanteriewaren“ von ihrer Mutter Pauline Lindner in ihrem Wohnhaus Hauptstraße 43. Ab 1950 wurde der Laden vom HO-Kreisbetrieb übernommen und von Marianne Oelschlägel als HO-Haushaltwaren-Verkaufstelle geführt. Durch den Ausbau des angrenzenden ehemaligen Produktionsgebäudes konnte in den 1960er Jahren ein umfangreiches Sortiment an hochwertigen Erzeugnissen aus Porzellan und Bleikristall, Haushaltswaren, Öfen, Waschmaschinen, Kinderwagen und Spielzeug angeboten werden. Uhren, Papierwaren und Kunstgewerbe gab es weiterhin im HO-Laden des Wohnhauses Hauptstraße 43.

Ortsgeschichte: Verkaufstheke HO-Haushaltwaren-VerkaufsstelleBildrechte

Verkaufstheke HO-Haushaltwaren-Verkaufsstelle

Im „Steidels Becken Haus“ Lindenstraße 47 befand sich nach Auszug der Bäckerei Thoß die HO-Verkaufstelle „Elektro und Rundfunk“ mit dem Leiter Paul Graupner. Nach deren Schließung ist die HO-Haushaltwaren-Verkaufstelle von der Hauptstraße in dieses Ladengeschäft umgezogen. Wenn wir heute zu den beliebten Hutzen-Nachmittagen im Oberen Schloß den Kaffee aus den gespendeten Sammeltassen trinken, erinnern sich viele Ältere noch daran, dass der Erwerb einer Sammeltasse ein Erfolgserlebnis war. In den 1970er und 1980er Jahren waren viele Artikel nicht ständig im Angebot. An den Tagen der Warenanlieferungen stellte man sich beim Laden von Lindners Marianne an, um eine Sammeltasse, einen Gegenstand aus Bleikristall, einen Besteckkasten usw. zu ergattern. Mit diesen Errungenschaften wurde die eigene Sammlung ergänzt oder sie wurden zu Geburtstagen, Weihnachten, Hochzeiten usw. an Verwandte und Bekannte verschenkt. Eine Sammeltasse kostete ca. 20 Mark.

Im Haus Hauptstraße 49 betrieb Rosa Dressel, die Susels Rosa, einen kleinen Haushaltswarenladen. Nach dessen Geschäftsauflösung ist dort die HO-Schuhwaren-Verkaufsstelle eingezogen. Später ist der HOSchuhladen in die Hauptstraße 22 umgezogen und wurde viele Jahre von Ruth Strobel geführt.

Bis 1957 gab es in der Lindenstraße 21 den Schuhladen von Milda Reiher (Reihers Schuster). Otto Franke gründete 1921 ein Installationsgeschäft für elektrische Anlagen und seine Ehefrau Johanna Franke eröffnete in der Straße des Friedens 23 einen Laden zum Verkauf von Elektrogeräten. 1951 wurde der Laden vom HO-Kreisbetrieb übernommen und von Johanna Franke weitergeführt. Werner Jahn übernahm 1953 die Installationsfirma von Otto Franke und eröffnete 1955 in der Baracke hinter dem Postamt an der Hauptstraße 35 einen Laden für Elektroartikel. Später zog er mit seinem Geschäft in die Grenzstraße 22 um. Seine Ehefrau Ilse bot in dem Laden ein umfangreiches Sortiment an Lampen, Haushaltsgeräten, Glühbirnen, Kleinteilen und Installationsmaterial an.

Alfons Baumann eröffnete 1945 ein Geschäft für „Reparatur und Handel mit Radio- und Verstärkeranlagen, Kinoanlagen und Elektrogeräten“ in der Straße des Friedens 1. Später zog er mit seinem Geschäft „Radio-Baumann“ in die Gabelsbergerstraße um. Christoph Schultheiß führte das Geschäft weiter und betreibt heute seine Firma SP Schultheiß Radio undFernsehen im Gebäude der ehemaligen Postfiliale in der Hauptstraße 35.

Ernst Bernhauser mit seinem Laden in der Lindenstraße/Ecke Straße des Friedens war eine Ellefelder Legende. Im Jahre 1932 gründete er eine Buch-, Papier- und Fotohandlung. Seine Ehefrau Gerti unterstützte ihn tatkräftig im Geschäft. Zu Ende der Sommerferien mussten alle Schulkinder in Bernhausers Laden, um ihre Schulbücher, Hefte und Schreibwaren zu kaufen. Die in den Schaufenstern ausgestellten Spielwaren haben viele Kinderaugen zum Leuchten gebracht. Zum Sortiment des Ladens gehörten auch Zeitungen, Zeitschriften und Kunstgewerbeartikel. Zeitschriften wie Pramo, Sibylle, Mosaik, Straßenverkehr, Wochenpost usw. waren zu DDR-Zeiten häufig Mangelware. Diese gab es meist nur unter dem Ladentisch. Besonders von Männern heißbegehrt war das „Magazin“, weil da immer ein Aktfoto drin war. Herr Bernhauser betrieb auch ein Fotolabor. Dort konnten alle Ellefelder ihre Fotos entwickeln lassen. Er selbst gab eigene Ansichtskarten mit Ellefelder Motiven heraus. 1978 ging Ernst Bernhauser in den Ruhestand. Die Deutsche Post betrieb später in dem Laden eine Lotto-Annahmestelle mit Zeitschriften-Verkauf. Vorher war die Lotto-Annahmestelle in der Baracke hinter dem Postgebäude untergebracht.

Das Uhrmachergeschäft Kühn, Hauptstraße 23, kann auf eine langjährige Tradition zurückblicken. Es wurde von Kurt Kühn gegründet, 1952 von Arno Kühn übernommen und von Gottfried und Christine Knoll weitergeführt. In dem Laden kann man aus einem umfangreichen Sortiment Uhren und Schmuck auswählen, bei Bedarf diese Gegenstände auch reparieren lassen. Heute führt Steffi Möckel das Geschäft.

Ebenfalls ein traditionsreiches Unternehmen war die Firma Pelz-Steudel, Straße des Friedens 24. Luise Claus verheiratete Steudel (die Clausen-Liesel) eröffnete dort 1923 ein Putzmachergeschäft. Ihr Ehemann Willi Steudel übte das Kürschner-Handwerk aus und handelte mit Pelzen. 1951 übernahm Günter Steudel das Geschäft. Im Haus Mozartstraße 2 führte Mariechen Claus von 1945 bis 1958 ebenfalls ein Putzmachergeschäft und handelte mit Hüten.

Allseits bekannt war auch der Thoßen-Sattler unter der Führung von Kurt und später Eberhard Thoß in der Lindenstraße 9. Im Ladengeschäft wurden von Alma und Ursel Thoß neben den in der Werkstatt gefertigten Polstermöbeln auch Teppiche und Lederwaren verkauft. Die Geschichte der Drogerie an der Bahnhofstraße 4 reicht bis ins Jahr 1902 zurück.

Carl Petzold gründete einen „HandelmitKolonialwaren im Detail“. Willy Petzold führte die Drogerie von 1941 bis 1959. Dann wurde das Geschäft vom HO-Kreisbetrieb übernommen. 1984 führte Gerda Friedel die Drogerie als HO-Kommissionshändlerin bis zur Wende weiter. Aufgrund ihrer guten Geschäftsbeziehungen zu Kunstgewerbeproduzenten aus dem Erzgebirge und vogtländischen Hobby-Bastlern konnte man in ihrem Geschäft auch die begehrten Nussknacker, Räuchermänner und Schwibbogen erwerben. Infolge des umfangreichen Angebotes nach der Wende war der Laden zu klein und Gerda Friedel zog mit ihrer Drogerie in das Haus Lindenstraße 47 um. Ihre Nichte Sylvia März führte das Geschäft weiter und betreibt ihre Drogerie mit Postfiliale und Lotto-Annahmestelle heute im Haus der ehemaligen Sparkasse.

Ortsgeschichte: Außenansicht der Drogerie in der BahnhofstraßeBildrechte

Außenansicht der Drogerie in der Bahnhofstraße

Bei Georg Otto, dem Ottos Schorsch, Straße des Friedens 7, konnte man Fahrräder und Nähmaschinen kaufen oder reparieren lassen. Ein weiteres Fahrradgeschäft gab es in der Hauptstraße 11, geführt von Alfred Petermann.

Die Gärtnerei Weber hatte in Ellefeld zwei Geschäfte, zum einen die Gärtnerei am Friedhof und zum anderen das Blumengeschäft in der Straße des Friedens 11. Auch die Gärtnerei Raubold hatte in ihrem Wohnhaus Alte Auerbacher Straße 27 seit 1927 einen Laden mit „Verkauf von Blumen und Gartenerzeugnissen sowie Kranzbinderei“. Heute befindet sich dort der Laden „Blütchen“ der Familie Hernes. Man konnte auch im Blumenladen der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft GPG in der Hauptstraße 36 bei Ruth Scholz Blumen kaufen. Auch Schnittblumen waren zu DDR-Zeiten Mangelware, da es ja noch keine Importe aus den südlichen Ländern gab.

Der Familienbetrieb „Bier-Lindner“ wurde 1939 von Ewald Lindner gegründet, ab 1954 von Anna Lindner weitergeführt, von Karl-Heinz Lindner übernommen und heute von den Söhnen Friedhelm und Jörg Lindner betrieben. Den Einkauf der Getränke nutzen viele Männer, um früher in Lindners Küche in der Hauptstraße 2 und heute im Geschäft in der Lindenstraße 5 ein Bier zu trinken und Neuigkeiten auszutauschen. Viele Ellefelder freuen sich über den Service der Frei-Haus-Lieferungen von Bier-Lindner.

Einen Flaschenbierhandel betrieb auch Albert Wappler von 1930 bis 1962 im Haus Gabelsbergerstraße 16.

Im Laden Straße des Friedens 8 befand sich nach Schließung des Gemüseladens eine SERO-Annahmestelle. Hier wurden Sekundärrohstoffe (wiederverwendbare Altstoffe) aufgekauft und einer weiteren Verwendung zugeführt. Vorwiegend wurden dort Flaschen, Gläser und Altpapier angenommen. Die Aufkaufpreise waren z. B. für weiße Flaschen 0,20 M, grüne Flaschen 0,05 M, Gläser 0,30 M pro Stück und Zeitungen 0,30 M pro kg. Altstoffhändler waren auch Martha Ramsdorf in der Hammerbrücker Straße 34 und Albert Schaff in der Alten Auerbacher Straße. Dessen Geschäft führte Lothar Müller ab 1968 weiter. Als Schulkinder mussten wir im Auftrag der Pionierorganisation mit dem Handwagen von Haus zu Haus ziehen, um Flaschen, Altpapier und Schrott zu sammeln und bei den Altstoffhändlern abzugeben. Der Erlös wurde dann für Solidaritätsund Hilfsprojekte verwendet.

(Fortsetzung folgt)

Zum Beitrag "Ellefelder Läden zu DDR-Zeiten (Teil 1)"

Veröffentlicht: 17.11.2020
Text: Brigitte Thoß
Fotos: Archiv Heimatfreunde

Ellefelder Läden zu DDR-Zeiten (Teil 1)

Lebensmittelläden

Zu DDR-Zeiten während der Jahre 1949 bis 1990 gab es in Ellefeld viele Ladengeschäfte der verschiedensten Branchen und Eigentumsformen. In 25 Ellefelder Häusern befanden sich über einen kürzeren oder längeren Zeitraum Lebensmittel-Läden. Wir hatten 11 Bäcker und 5 Fleischer. Es gab Geschäfte für Haushaltwaren, Textilien, Bekleidung, Schuhe, Schreib- und Spielwaren, Elektro-, Rundfunk- und Fernsehgeräte, Uhren und Schmuck, Pelze und Hüte, Polstermöbel und Teppiche, Blumenläden, Drogerie und Apotheke.

Beginnen wir mit den Lebensmittel-Läden. Am bekanntesten war die „große HO“ an der Hauptstraße 42, dem heutigen Möbelhaus Daheim. Am 1.7.1950 eröffnete dort die HO-Handelsorganisation eine Lebensmittel-Verkaufsstelle. Der Verkaufsstellenleiter war Herr Strobel und später seine Tochter Ruth Hendel.

Ortsgeschichte: HO-Verkaufsstelle Hauptstraße 42Bildrechte

HO-Verkaufsstelle, Hauptstraße 42

Der Verkauf erfolgte teilweise in Selbstbedienung und teilweise an Bedientheken für Backwaren, Fleisch– und Wurstwaren sowie Molkereiprodukte. In den letzten Jahren der DDR-Mangelwirtschaft standen besonders an Tagen der Warenanlieferung die Leute in Schlangen, um begehrte Produkte wie Wernesgrüner Bier, Früchte-C für die Kinder, Schnittkäse und Rosentaler Kadarka zu bekommen. Mittwochs war erst ab 10.00 Uhr wegen handelspolitischer Schulungen geöffnet. Die jungen Muttis stellten ihre Kinderwagen mit den Kindern, die meist mit einem Gurt am Wagen angebunden waren, vor dem Laden ab, weil der Eingang nur über mehrere Stufen erreichbar war. In der HO-Verkaufsstelle lieferten auch die Bauern und Hühnerhalter Eier ab, die dann als Frischeier angeboten wurden. Dafür bekamen sie die Berechtigung zum Kauf von Hühnerfutter. An der Außenwand des Hauses war ein Zigaretten-Automat angebracht.

Gegenüber der „großen HO“ an der Hauptstraße war der Gemüseladen. Bis in die 1950er Jahre betrieb Elsa Morgner (die Felixe) den Laden. Nach Übernahme durch die HO waren die Verkaufsstellenleiter Martin und Hilde Herold, später Martin Ebert.  

Ortsgeschichte: Gemüse-HO in der Hauptstraße 47Bildrechte

Gemüseladen in der Hauptstraße

Das Sortiment umfasste Obst, Gemüse, Speisekartoffeln, Südfrüchte, Fischwaren und Konserven. Wenn es Bananen, Apfelsinen, Pfirsiche, Gurken usw. gab, standen die Leute in Schlangen bis zur Straße. Sie stellten sich hinten an, ohne zu wissen, was es gibt. Pampelmusen gab es meist nur für Diabetiker auf Ausweis. Die meisten Waren wurden lose verkauft, in Papiertüten abgepackt oder in Zeitungspapier gewickelt. Oftmals herrschte Mangel an Papiertüten. Einmal wollte ich Zwiebeln kaufen. Da die Verkäuferin keine Tüten hatte, wollte sie mir die Zwiebeln in die Handtasche schütten. Da ich das verneinte, musste ich ohne Zwiebeln nach Hause gehen.

Die Suche nach weiteren DDR-Lebensmittel-Läden beginnen wir im Unterdorf und gehen in Richtung Falkenstein. An der Hauptstraße 7 betrieb Elsa Fuchs bis 1954 einen Laden, der von der HO-Wismut und später vom HO-Kreisbetrieb übernommen und von Gottfried und Ruth Thiem geführt wurde. Gegenüber an der Hauptstraße 10 (dem Starenkasten) konnte man bei Dora Bust bis 1954 Gemüse, Sauerkraut und saure Gurken kaufen. Der Verkauf erfolgte in einer Stube rechts im Erdgeschoss.

Im Haus Lindenstraße 4 hatte Elsa Morgner (Saale) bis 1957 einen Lebensmittelladen. Rosa Kühn hatte bis 1958 rechts neben dem Uhrmachergeschäft einen Schokoladen- und Süßwarenladen.

Die Konsum-Verkaufsstelle an der Hauptstraße 25 (neben Keilau) gab es schon vor dem 2. Weltkrieg. Am 1.4.1946 wurde der Laden wieder eröffnet. Viele Bürger waren Mitglieder der Konsumgenossenschaft und kauften wegen der Rabattmarken, auch Konsummarken genannt, in den Läden der Genossenschaft ein.

An der Ecke Südstraße/Alter Schulweg war das Geschäft von Georg und Wally Bernhard bis 1960 geöffnet. Der vorherige Besitzer war Emil Titscher und deshalb heißt der Alte Schulweg im Volksmund „Titschers Gasse“. Hedwig Bier verkaufte in ihrem Haus an der Hauptstraße 36 Lebensmittel. Später führte ihre Tochter Ruth Scholz dort den GPG-Blumenladen.

Von den Schulkindern war der Laden von Anna Leucht an der Kirchstraße sehr begehrt, da es dort u.a. viele Süßigkeiten, wie rot-weißen Pfefferminzfondant, Lakritzstangen, lose Bonbons, Tütchen mit Brausepulver, Waffelzigarren für 3 Pfennige und die großen gefüllten Waffeln für 10 Pfennige gab. In der Lindenstraße 33 hatte Elsa Hummel, die Frau vom Stellmacher Richard Hummel, bis 1953 einen kleinen Lebensmittelladen.

Im Gebäude des alten Feuerwehrdepots an der Lindenstraße 37 befand sich an der linken Seite ein Milchladen, der ab 1955 von Gudrun Strobelt geführt wurde. In dem Haus war auch ein Raum, in dem Freibank-Fleisch von notgeschlachteten Tieren verkauft wurde. Der Milchladen wurde später von Gudrun Strobelt und Thea Heckel als HO-Verkaufsstelle für Molkereiprodukte in der Schulstraße 21 weitergeführt. Es war eine körperlich schwere Arbeit für die dort beschäftigten Frauen, da die „gute“ Milch (3,5 %) und die „blaue“ Milch (1,5 %) in 20-Liter-Milchkannen angeliefert wurde. Mit dem „Nießelmooß“ wurde sie dann in die von den Kunden mitgebrachten 1- oder 2-Liter fassenden Milchkrüge aus Emaille oder Aluminium gefüllt. Später gab es Milch in Glasflaschen mit Pappdeckeln, die in schweren Metallkästen transportiert und früh zeitig vor den Läden abgestellt wurden. Bei großer Hitze war die Milch oder Sahne schon sauer, ehe sie zum Verkauf kam.

In den 1980er Jahren ist der Milchladen in die Lindenstraße 43 umgezogen (Haus Chryselius).

Der vorher in diesem Gebäude befindliche Lebensmittelladen wurde von 1929 bis 1966 von Martin Keller und anschließend von Erhard Riedel betrieben. Herr Riedel hatte seinen Laden zuvor an der Ecke Lindenstraße/Hauptstraße neben dem Laden von Ernst Bernhauser.

Ortsgeschichte: Komsum-Lebensmittelladen im Marktplatz 3Bildrechte

Bekannt war auch das Geschäft von Oswald und Charlotte Kellner am Marktplatz, das später von der Konsumgenossenschaft übernommen wurde.

In der Straße des Friedens 6 befand sich der Laden von Ernst Voigt, der in den 1950er Jahren von der HO-Wismut weitergeführt wurde. Viele werden sich noch erinnern, dass man später dort in der HO-Verkaufsstelle „Törtchen“ leckere Backwaren kaufen konnte.

Ortsgeschichte: HO-Verkaufsstelle Straße des Friedens 6Bildrechte

HO-Verkaufsstelle, Straße des Friedens 6 (Voigt)

Obst, Gemüse und Fisch war in der HO-Verkaufsstelle Straße des Friedens 8 erhältlich. Später befand sich in diesem Geschäft eine Annahmestelle für Altstoffe. Einen HO-Wismut-Laden führte Herta Leucht, die Pfaffen Hertel, von 1954 bis 1962 im Haus vom Pfaffen-Bäcker in der Straße des Friedens 10.

Im Haus Straße des Friedens 14 führte Kurt Wolf seit 1935 ein Lebensmittelgeschäft, das später von der HO-Wismut mit dem Verkaufsstellenleiter Arthur Schröter übernommen wurde. Seit 1982 betreibt die Familie Büttner dort eine Bäckerei mit Ladengeschäft.

Ortsgeschichte: HO-Verkaufsstelle Straße des Friedens 14Bildrechte

HO-Verkaufsstelle, Straße des Friedens 14 (heute: Bäckerei Büttner) Foto: Jörg Kasiske

Im nächsten Haus Friedensstraße 16 hatte Aloisia Badstübner einen kleinen Laden, in dem es sehr bedächtig zuging. Wenn man zwei Kunden vor sich hatte, dauerte es schon mal eine halbe Stunde, ehe man bedient wurde.

Von den Ellma- und später Wema-Arbeitern sehr begehrt war der Lebensmittelladen von Günter Schwabe an der Ecke Bahnhofstraße/Lutherstraße. In dem kleinen Laden gab es alles mögliche: Lebensmittel, Obst und Gemüse, Haushaltchemie, Molkereiprodukte, Spirituosen und Bier. Günter Schwabe war ein tüchtiger Geschäftsmann. Als Kundendienst bot er an, dass er Flaschenbier an die Hintertür stellte und sich die Männer früh 5.45 Uhr auf dem Weg zur Arbeit selbst bedienten. Auf dem Heimweg kehrten sie in Schwabes Laden ein, tranken ein angewärmtes Bier, bezahlten und gaben die Bestellung für den nächsten Morgen ab. Als Kassenzettel benutzte Herr Schwabe Zeitungsränder und hatte immer einen kurzen Bleistift mit Stiftverlängerer hinter dem Ohr stecken. Auch sein Vater Albin Schwabe war ein Unikum: Ein kleiner Mann mit einer großen blauen Schürze, Glatze, die Brille immer ganz vorn auf der Nase oder auf dem Kopf.

Die Beschäftigten der Wema hatten die Möglichkeit, in ihrer HO-Betriebsverkaufsstelle an der Bahnhofstraße einzukaufen. Viele ältere Ellefelder werden sich noch an Fritz Reinhold erinnern, der an der Bahnhofstraße 8 seinen Firmensitz hatte. Als ambulanter Gemüsehändler war er bis 1956 unterwegs und hatte auf dem Auerbacher Neumarkt (damals Friedensplatz) einen Stand.

Die Anwohner der Juchhöh mussten nicht erst in die Ortsmitte laufen, sondern konnten in ihrer Konsum-Verkaufsstelle ihre Einkäufe tätigen.

Ortsgeschichte: Konsum-Verkaufsstelle Juchhöh 32ABildrechte

Konsum-Verkaufsstelle, Juchhöh

Im Laden von Oswald Gottfried konnten die Bewohner der Alten Auerbacher Straße bis 1961 einkaufen. Im Hintergebäude der Alten Auerbacher Straße 33, der früheren Käserei, wurde im Mai 1959 durch fleißige Anwohner im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) eine Konsum-Verkaufsstelle errichtet. Diese Verkaufsstelle war öfters wegen Personalmangel geschlossen. Das Verkaufspersonal war, wie in vielen Läden, auch für das Heizen der Kohleöfen verantwortlich.

Die Konsumläden waren Aufkaufstellen für Obst und Gemüse. Die Kleingärtner konnten dort ihre Produkte abliefern und diese wurden zum Erzeugerpreis bezahlt, der staatlich gestützt war und höher als der Verkaufspreis lag. Viele haben dann ihre Produkte zum billigen Verkaufspreis wieder zurück gekauft und noch einen Gewinn erzielt.

In den kleinen Privatläden gab es früher vorwiegend lose Waren zu kaufen. Aus den in den Wandregalen befindlichen Kästen wurden Zucker, Mehl, Salz und Grieß mit einer Schaufel in Papiertüten gefüllt und abgewogen. Marmelade, Bohnerwachs, Quark und Bratheringe befanden sich in 10-Liter-Pappeimern, Bonbons in Gläsern, Senf in Porzellan-Behältern mit Abfüllhahn, Butter und Margarine in Blöcken, Essig in großen Glasballons, Sauerkraut und saure Gurken in Fässern. Um diese Artikel zu kaufen, musste man sich auf den Weg machen mit einer Schüssel für Quark, einen Topf für Sauerkraut, Gläser für Senf und Marmelade, einer Flasche mit Schnappverschluss für Essig, Dosen für Bohnerwachs, Butter und Bratheringe usw. Alles wurde in die mitgebrachten Gefäße abgefüllt. Es gab keinen Plastik-Müll und die Papiertüten wurden wieder verwendet oder nach Gebrauch zum Anheizen der Öfen genutzt.

Viele Frauen transportierten ihre gekauften Waren in kleinen Holz-Handwagen. Mode war damals auch, mit einer sauberen Kittelschürze zum nächsten Laden zu gehen. Da die Einkaufswege kurz waren, konnten auch kleinere Kinder schnell mal zum Einkaufen geschickt werden. Ich erinnere mich, dass ich als 4jähriges Mädchen mit meiner kleinen Tasche bei Schwabe oder Hummel einkaufte. Wenn z. B. beim Kuchenbacken nach Feierabend oder sonntags mal Zucker oder Mehl fehlte, konnte man schnell mal beim Kaufmann „hintenrein“ gehen. Wenn das Haushaltsgeld nicht bis zum Monatsende reichte, konnte man „anschreiben“ lassen und später bezahlen.
(Fortsetzung folgt)

Veröffentlicht: 15. Juni 2020
Text: Brigitte Thoß
Bilder: Archiv Heimatfreunde/ Jörg Kasiske

Handwerker-Weisheiten

In unserer Sprache gibt es viele Redewendungen, Sprüche und Vergleiche, die aus dem Umfeld des Handwerks kommen. Das ist nicht verwunderlich, da doch über viele Jahrhunderte hinweg das Handwerk neben Landwirtschaft und Bergbau die wichtigste Säule der Wirtschaft war. Handwerker verarbeiteten pflanzliche, tierische und mineralische Rohstoffe, von Getreide und Fleisch über Fasern und Leder bis zu Eisen- und Edelmetallen. Dabei spielte die Handarbeit, das Können und Geschick des Handwerkers die entscheidende Rolle für die Qualität der Erzeugnisse. Die vielen spezialisierten Gewerke schufen ein verflochtenes Wirtschaftsgefüge. Alle Menschen, Bauern, Bürger, Kaufleute, Adelige waren von handwerklichen Erzeugnissen abhängig.

Die Zünfte wachten über Wohl und Wehe der Handwerker. Und wenn jemand die Zunftordnung verletzte, war er ein „Pfuscher“, der einem anderen „ins Handwerk pfuschte“. Wenn ein Handwerker die Zunftordnung nicht einhielt, musste er seinen Betrieb aufgeben, ihm wurde „das Handwerk gelegt“ (niedergelegt). Die Zünfte wachten auch über die Ausbildung. Und da waren „Lehrjahre keine Herrenjahre“, und erst die „Übung macht den Meister“.

Fleißige Arbeit war geräuschvoll: Das Schlagen des Bleches, das Nageln des Schuhmachers, das Bedienen des Webstuhles – „Klappern gehört zum Handwerk“. Und selbst das „Blaumachen“ war kein Zeichen von Faulenzen, sondern gehörte bei den Blaufarben-Arbeitern im Westerzgebirge zur Arbeitsabfolge, denn nachdem die über das Wochenende eingeweichten Stoffe aus den Farbbottichen gezogen wurden, mussten sie einen Tag lang in der Sonne hängen, um ihr Indigoblau zu erzeugen. Das geschah meist am Montag, der dann „blau“ wurde. Im übertragenen Sinne ist diese technologisch bedingte Zwangs-Arbeitspause zum Begriff eines arbeitsfreien Tages geworden.

Anders war es bei den Bau-Handwerkern. Denen sagte man nach, sie seien „pünktlich wie die Maurer“, vielleicht weil sie ihre Arbeit unter den Augen der Öffentlichkeit verrichteten? Zimmerleute mussten „den Nagel auf den Kopf treffen“. Voraussetzung dafür war, dass der Nagler (Produzent von Nägeln) „Nägel mit Köpfen“ gemacht hatte.

Wer schon einmal die Herstellung eines Holzfasses erlebt hat, weiß, wie sorgfältig der Böttcher vorgehen muss, um die Dauben mit Boden und Deckel zusammenzupassen und die Kopf-, Hals- und Bauchreifen aufzuziehen. Wenn dann beim Füllen und Transportieren das Ganze auseinanderfiel, hat es „dem Fass den Boden ausgeschlagen“.

Die Müller unserer Region waren auf fließendes Wasser angewiesen. Wenn das reichlich floss, war das „Wasser auf die Mühle“. Für die oberschlächtigen Mühlräder war das gut, sie hatten „Oberwasser“. Aber wenn ein Neider – wie auch immer – Wasser abzweigte und anderweitig nutzte, hatte er dem Müller „das Wasser abgegraben“, der dann seinerseits „auf dem Trockenen saß“. Das Mahlen war ein zeitaufwendiger Vorgang und wenn dann zur Erntezeit alle Bauern zugleich anrückten, hieß es: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.

In jedem Dorf gab es eine Schmiede. Der Schmied versorgte viele Abnehmer mit Eisenwaren. Er musste dann oft „mehrere Eisen im Feuer haben“, andererseits zügig arbeiten, das „Eisen schmieden, solang es noch heiß ist“. Ja, und da er Pferde mit Hufeisen versorgte, die man oft auch als Glücksbringer über die Tür hing, war er eben auch „des Glückes Schmied“. Die Messer-Schmiede waren eine besondere Berufsgruppe, für die Fertigung von Messern, aber auch Degen zuständig. Und sie fertigten auch das „zweischneidige Schwert“ – im Gegensatz zum Messer, das nur eine Schneide hat.

Manchen Handwerkern wurden bestimmte Eigenschaften angedichtet. Es ist nicht verbürgt, dass alle Bürstenmacher übermäßig durstig waren und „soffen wie die Bürstenbinder“. Die Qualität von Tuch hängt wesentlich davon ab, wie fest Kett- und Schussfäden verbunden sind. Sind sie zu locker, gehen sie bei Feuchtigkeit ein, sie „gehen ein wie Kirchberger Tuch“ (sicher nur eine üble Nachrede).

Dass in Notzeiten die Silbermünzen leichter und unedler wurden, ist bekannt. Auch andere Produkte litten an Masse. Der Bäcker hat dann eben „kleinere Brötchen gebacken“. Und der Schneider hat dann gelegentlich mit „zweierlei Elle“ gemessen, vielleicht noch entschuldbar, da dieser Berufsstand zu den ärmsten gehörte. Er musste ja auch an Heizmaterial sparen, denn er wurde bedauert, wenn er „fror wie ein Schneider“. Trotzdem kann man nicht alle „über einen Kamm scheren“.

In der Enge der Handwerksgassen waren natürlich auch Klatsch und Tratsch verbreitet. Von manchem Nachbarn hieß es, er sei „ungehobelt“ oder „ungeschliffen“ - wie ein rohes Brett, das man erst nach gehöriger Zubereitung verarbeiten kann. Übrigens: „Schliff“ lernten die jungen Burschen früher in ihrer Soldatenzeit. Zog ein neuer Nachbar mit einem guten Leumund ein, dann hieß folgerichtig „Neue Besen kehren gut“. Dabei sollte man doch nicht „jedes Wort auf die Goldwaage legen“ (die ohnehin in den meisten Orten mangels Goldschmied nicht vorhanden war). Allgemein bekannt ist, dass die Flachs-Stängel nach der Ernte gebrochen und gehechelt werden müssen, um die holzigen Stängel-Anteile zu beseitigen und die Bastfasern zu parallelisieren. Der Vorgang muss oft wiederholt werden, so wie auch das wiederholte Gerede über Nachbarn zum „Durchhecheln“ wurde. Kam dann die Wahrheit ans Licht, ging manchem „ein Seifensieder auf“. Da war es schon richtiger, sich um seine eigenen Probleme zu kümmern: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“.

Gute Arbeit lohnte sich, damals wie heute. Konnte der Handwerker seine Ware gut verkaufen, erwarb er gelegentlich auch Reichtum, den er in der Truhe verwahrte – die Golddukaten ganz unten, weniger Wertvolles zum Schutz darüber. Und wenn man dies wegräumte, sah man, dass das Handwerk „goldenen Boden“ hat. 

Das Handwerk im Sprachgebrauch: Redewendungen führen uns in die Geschichte des Handwerks, das sich im Laufe der Zeit wandelte. Mehr und mehr zog auch im Handwerk Maschinenarbeit ein, die die Handarbeit und individuelle Handwerkskunst ersetzt oder mindestens ergänzt. Leider sind in der heutigen Zeit ganze Bereiche selten geworden oder gar verschwunden. Wo gibt es heute noch Seiler, Böttcher, Korbflechter, Kürschner, Schreiner, Besenbinder oder Wagner? Die Fertigung von Holzleitern oder Dachschindeln, von Handwagen oder Stühlen ist zumeist der Industrie überlassen. Wenigstens in Museen und Ausstellungen werden die Arbeitsmittel, die technologischen Verfahren und die Erzeugnisse noch vor dem Vergessen bewahrt: „Goldenes Handwerk“.

Veröffentlicht: 12. Juni 2020
Text: Horst Teichmann (Heimatfreunde Ellefeld)
Foto: Archiv Heimatfreunde

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