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Dienstleistungen

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Seit dem Jahr 1991 hat es in der deutschen Wirtschaft eine erhebliche sektorale Strukturverschiebung hin zu den Dienstleistungsbranchen gegeben. Heute ist der Dienstleistungssektor der wirtschaftlich bedeutendste: Er erwirtschaftete im Jahr 2019 in Deutschland rund 69 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP).[1] In Sachsen waren es knapp 68%. 72% der Erwerbstätigen in Sachsen sind im Dienstleistungsbereich tätig.

Der Dienstleistungssektor umfasst folgende Wirtschaftsabschnitte:

  • G Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz
  • H Verkehr und Lagerei
  • I Gastgewerbe
  • J Information und Kommunikation
  • K Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
  • L Grundstücks- und Wohnungswesen
  • M Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen
  • N Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen
  • O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung
  • P Erziehung und Unterricht
  • Q Gesundheits- und Sozialwesen
  • R Kunst, Unterhaltung und Erholung
  • S Erbringung von sonstigen Dienstleistungen
  • T Private Haushalte mit Hauspersonal; Herstellung von Waren und Erbringung von Dienstleistungen durch Private Haushalte für den Eigenbedarf ohne ausgeprägten Schwerpunkt
  • U Exterritoriale Organisationen und Körperschaften[2]

Früher war der Dienstleistungssektor vor allem durch konsumnahe Dienstleistungen wie Handel und Gastgewerbe dominiert, die von privaten Haushalten nachgefragt wurden. Aufgrund der verstärkten Arbeitsteilung in der Wirtschaft, aber auch aufgrund von technischem Fortschritt, der neue Wirtschaftszweige wie die elektronische Informationsverarbeitung hervorgebracht hat, verlagerte sich der Schwerpunkt immer mehr in Richtung Dienstleistungen für Unternehmen. Die Nachfrage der Industrie ist ein wichtiger Treiber für diese Entwicklung. Zwischen Industrie und Dienstleistungen gibt es viele Verbindungen und Überschneidungen. In Zukunft dürfte die Bedeutung der Dienstleistungen für die Industrie noch größer werden, da durch den Trend der Digitalisierung spezialisierte Dienstleistungen weiter zunehmen dürften.[3]

Im Jahr 2018 waren in Sachsen fast 49.700 rechtliche Einheiten als unternehmensnahe Dienstleister (Wirtschaftsabschnitte H, J, L, M, N, S - Abteilung 95 Reparatur von Datenverarbeitungsgeräten und Gebrauchsgütern) wirtschaftlich aktiv. Sie erreichten insgesamt einen Umsatz von 33,65 Milliarden Euro und damit fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Einheiten mit Umsätzen von 250.000 Euro und mehr meldeten einen Anteil des Auslandsumsatzes an ihrem Gesamtumsatz von knapp acht Prozent. Etwa 376.300 Personen waren im Jahr 2018 in diesen Wirtschaftsabschnitten tätig, zwei Prozent mehr als 2017. 88 Prozent der Beschäftigten waren Angestellte. Der unternehmensnahe Dienstleistungsbereich ist geprägt von einer kleinbetrieblichen Unternehmensstruktur. Durchschnittlich hatte jede rechtliche Einheit knapp acht tätige Personen und erreichte einen Umsatz von 0,68 Millionen Euro.[4]

Dabei sind die Umsätze in den Bereichen der unternehmensnahen Dienstleistungen in Sachsen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2017 lagen sie im Durchschnitt um 34 Prozent über dem Basiswert des Jahres 2010. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug 5,4 Prozent. Den bedeutendsten Zuwachs im Vorjahresvergleich gab es mit 6,7 Prozent bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen u. a. die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Reinigungs- und Sicherheitsdienste, Reisebüros/Reiseveranstalter sowie Messeveranstalter gehören. Die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungseinrichtungen – dazu sind u. a. Ingenieur- und Architekturbüros, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung aber auch Markt- und Meinungsforschung zu rechnen – konnten die erfolgreichste Umsatzentwicklung mit mehr als 50 Prozent gegenüber 2010 erwirtschaften. Eine besonders positive Entwicklung der Beschäftigtenzahlen mit einer Steigerung um ca. ein Drittel gegenüber 2010 und einem Anstieg um sechs Prozent im Vorjahresvergleich erreichten die Unternehmen der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen. Der Abschnitt Verkehr und Lagerei ergänzt den Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen und ist mit einem Anteil von etwa jeweils ein Drittel an den Umsätzen und Beschäftigtenzahlen der größte. Hier erhöhten sich der Umsatz im Vergleich zu 2016 um 3,7 Prozent und die Zahl der tätigen Personen um 1,3 Prozent.[5]

[1] IW Consult: Bedeutung unternehmensnaher Dienstleistungen für den Industriestandort Deutschland/Europa. Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 22.01.2021
[2] Statistisches Bundesamt (2008), Klassifikation der Wirtschaftszweige
[3] IW Consult, siehe Fußnote 1.
[4] Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Ergebnisse der Dienstleistungsstatistik 2018
[5] Medieninformation 47/2018 Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

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Freigabevermerk

Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. 15.06.2021